JA zum kantonalen Berufsbildungsfonds


Abstimmungsflyer

 

«Kein Abschluss ohne Anschluss!» Alle Jugendlichen sollen die Chance haben, eine geeignete Ausbildung zu absolvieren. Mit dem kantonalen Berufsbildungsfonds wird die Schaffung neuer Lehrstellen gezielt gefördert. Alle Betriebe haben sich in der einen oder anderen Form an der Berufsbildung zu beteiligen.





Fragen und Antworten

Fragen_Antworten_Berufsbildungsfonds.pdf

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Wie viele Jugendliche haben keine Lehrstelle?





Bildungsstatistik Kanton Zürich: 4'000 Jugendliche pro Jahr bleiben ohne Lehrstelle oder Mittelschulplatz. Das ist schon seit Jahren so. (Anzahl Jugendliche nach Volksschule und schulischem Brückenangebot).


Im Kanton Zürich tickt eine soziale Zeitbombe: Jedes Jahr stehen 4'000 Jugendliche ohne Lehrstelle oder Platz an einer Mittelschule da, wenn sie die Oberstufe oder ein Zwischenjahr verlassen. Jeder dritte junge Mensch hört als Botschaft der Wirtschaft: «Sorry, wir können dich nicht brauchen. Vielleicht nächstes Jahr.»
Junge Ausländer/innen bekommen das übrigens doppelt so häufig zu hören wie gleich gut qualifizierten Schweizer Kolleg/innen, junge Frauen eineinhalb mal so häufig wie Männer. Dieser Zustand dauert nun schon seit Jahren an, und er betrifft nicht nur Jugendliche mit eher praktischen Fähigkeiten: Auch ein guter Schulabschluss garantiert längst keine Lehrstelle mehr.
Mehr Lehrstellen sind absolut dringlich, und das nicht etwa aus Sozialromantik, sondern als wirtschaftliche und gesellschaftliche Notwendigkeit. Wer meint, der Berufsnachwuchs, der für das Bestehen der Zürcher Wirtschaft im verschärften Wettbewerb so nötig ist, bilde sich von selbst aus, irrt. Und wer meint, Lehrstellenmangel habe nichts mit Orientierungslosigkeit und Desintegration zu tun, nichts mit Jugendgewalt, der irrt ein zweites Mal.
Nichts gegen Zwischenlösungen: Aber viele Jugendliche werden heute nicht darum dorthin geschickt, weil sie das nötig hätten (Abschluss Berufswahlprozess, gezielte Verbesserung einzelner Fähigkeiten), sondern schlicht weil es nicht genügend Lehrstellen hat. Das ist nicht nur frustrieren, sondern auch unökonomisch und ineffektiv.
Als Argument gegen den Fonds taugt übrigens der Umstand nicht, dass Lehrstellen nicht besetzt werden können: Kantonsweit sind das rund 200 - im Vergleich mit 4'000 Jugendlichen. Selbst wenn alle Lehrstellen vergeben wären: Der Lehrstellenmangel besteht weiter. Das gilt auch, wenn Leute mit dem Demografie-Argument kommen. Im Kanton Zürich wird die Zahl der Schulabgänger/innen nur minim sinken: Um wenige hundert bei ca. 2'000 jährlich fehlenden Lehrstellen. Demografie ist ein blosses Ablenkungsmanöver um die Wirklichkeit schönzureden und nichts unternehmen zu müssen.

Generell
Der Zürcher Berufsbildungsfonds ist seit langem der tauglichste Vorschlag für mehr Lehrstellen, zur Entlastung der Zürcher Lehrbetriebe und gleichzeitig gegen Desintegration und Jugendgewalt. Ein Ja zum Fonds ist ebenso eine wirtschaftliche wie eine gesellschaftliche Notwendigkeit.


Wie viele Betriebe bilden überhaupt Lehrlinge aus?




Grundaussage: nur noch jeder 6. Betrieb bildet überhaupt Lehrlinge aus!


Nur noch jedes sechste Unternehmen bietet heute Lehrstellen an. Die übrigen profitieren als Trittbrettfahrer. Sie entziehen sich der gemeinsamen Verantwortung für die Ausbildung des Berufsnachwuchses und beteiligen sich nicht an der Integration der Jugend in Wirtschaft und Gesellschaft.
Hier setzt der kantonale Lehrstellenfonds an, der bestehende Branchenlösungen ergänzt. Das Prinzip ist simpel: Betriebe ohne Lehrstellen leisten einen Förderbeitrag. Betriebe mit Lehrstellen werden unterstützt und entlastet. Ein transparentes und schlankes System für mehr Lehrstellen. Das Prinzip hat sich in der Wirtschaft mit diversen Branchenfonds bereits bewährt.

Was sind «Branchenfonds», warum braucht es daneben noch diesen Berufsbildungsfonds?
Branchenfonds Bundesebene gemäss Art. 60 BBG: Zur Förderung der Berufsbildung können Organisationen der Arbeitswelt (…) eigene Berufsbildungsfonds schaffen und äufnen. Beispiele: Automobil-Gewerbe, Gebäudetechnik, Metall-Union, Maler und Gipser, Elektro-Installation, Gärtner, Schreiner.
Problematik der Branchenfonds: Gerade in jüngeren / innovativen / dienstleistungsorientierten Branchen fehlen Ausbildungstradition, Verbandsstrukturen usw. für die nötigen Verbindlichkeiten und Impulse à keine Fonds.
Als Ergänzung können die Kantone eigene, branchen-übergreifende Berufsbildungsfonds errichten. Solche bestehen schon in Genf, Neuenburg, Freiburg, Wallis, Jura; in der Waadt ist ein Fonds geplant. (Achtung: andere Funktionsweise dieser kant. Fonds in der Romandie; als «aktives» Argument wenig geeignet.)
Impulse auf dem Lehrstellenmarkt tun bei den Dienstleistern Not: Das Lehrstellenangebot hinkt dem wirtschaftlichen Strukturwandel rund zwanzig Jahre hinterher. Ausbildungsplätze fehlen vor allem im Dienst-leistungssektor (vgl. Lehrstellenbarometer des Bundes).

Zur Ausgestaltung des Fonds im Überblick
Der Fonds ist realistisch und praxisnah ausgestaltet: Er ist auf 20 Millionen plafoniert. Der Förderbeitrag beträgt höchstens ein Promille der AHV-pflichtigen Lohnsumme. Ausnahmen für Kleinbetriebe sind möglich. Die Erhebung erfolgt auf bestehendem Weg (Familienausgleichskasse) via Selbstdeklaration mit Stichprobenkontrollen. Und ganz wichtig: Über die Fondsgelder bestimmt nicht die Verwaltung, sondern die Wirtschaft selbst: Sie stellt sieben der neun Sitze in der Berufsbildungskommission und sagt damit, wo es lang geht. Die Gegner des Fonds beschwören heute also wider besseres Wissen eine neue Bürokratie herauf!

Was kann man mit den Fondsgeldern tun?
Werden überhaupt neue Lehrstellen geschaffen?
Die Fondsgelder kommen den Lehrbetrieben ganz direkt zu Gute:

  • Einsparungen bei überbetrieblichen Kursen und Lehrabschlussprüfungen,
  • Weiterbildung von Berufsbildner/innen
  • nicht zuletzt durch praxisnahe, leicht zugänglich Unterstützung bei Fragen und Problemen, die sich im Verlauf einer Lehre stellen können.

Für ein ausreichendes Lehrstellenangebot müssen nicht nur neue Unternehmen gewonnen werden - wichtig ist auch die Sicherung der heutigen Ausbildungstätigkeit.
Die Fondsmittel erlauben wirkungsvolle Massnahmen über den Einzelbetrieb hinaus:

  • Mit Lehrbetriebsverbünden können Hunderte neuer Ausbildungsbetriebe gewonnen werden: kleinere Unternehmen - oft in innovativen Branchen - bieten gar nicht alles an, was zu einer Berufslehre gehört. Gemeinsam im Lehrbetriebsverbund können sie jedoch ihren Beitrag
  • Praxisnahe Basiskurse entlasten Berufsbildner/innen, indem sie die Jugendlichen auf die Arbeitswelt vorbereiten und ihnen Grundfertigkeiten vermitteln, auf denen die Lehrbetriebe aufbauen können.
  • Ebenso lassen sich neue Branchenlösungen anstossen. Bislang existieren solche vor allem im Gewerbe. Impulse tun bei den Dienstleistern Not: Das Lehrstellenangebot hinkt dem wirtschaftlichen Strukturwandel rund zwanzig Jahre hinterher. Ausbildungsplätze fehlen vor allem im Dienstleistungssektor, wie jeweils das Lehrstellenbarometer des Bundes nachweist.

Wer bezahlt in diesen Fonds, und wie viel?

  • Der Fonds wird bis zum Höchstbetrag von 20 Mio. Franken geäufnet durch jährliche Arbeitgeber-beiträge
  • Der Beitrag eines Arbeitgebers beträgt höchstens ein Promille der gesamten AHV-pflichtigen Lohnsumme. Der Regierungsrat legt den Beitragssatz fest.
  • Abgabepflichtig sind die Trittbrettfahrer: Betriebe, die weder selbst Lehrlinge ausbilden noch sich sonst wie an der beruflichen Grundbildung beteiligen. Von der Beitragszahlung ausgenommen sind Betriebe mit Lehrstellen und solche, die bereits Abgaben in einen Branchenfonds leisten.

Unnötige «Lehrlingssteuer» / «Strafsteuer»?
Die Abgabe ist mit max. 1 Promille der AHV-pflichtigen Lohnsumme bescheiden. Es handelt sich um einen Förderbeitrag. Eine direkte Lenkungswirkung übers Portemonnaie lässt sich nicht erzielen (keine Len-kungswirkung à keine «Strafsteuer»). Zwei Rechnungsbeispiele mit dem maximalen Beitragssatz:

  • Betrieb A, ca. ein Dutzend Beschäftigte, AHV-pflichtige Lohnsumme 1 Mio. Franken pro Jahr à Jährliche Berufsbildungsabgabe maximal 1'000 Franken
  • Betrieb A, Einpersonen-Jungunternehmer, AHV-pflichtige Lohnsumme 100'000 Franken pro Jahr à Jährliche Berufsbildungsabgabe maximal 100 Franken

Diese Beträge machen deutlich, dass kein einziger Betrieb allein wegen der Förderabgabe neu ausbilden wird. Ein Ausbildungszwang ist nicht anzustreben (und auch nicht sinnvoll: das gibt nur schlechte Lehrstel-len und eine miese Ausbildungsqualität). Ausnahmen für Kleinbetriebe sind übrigens nach dem Verhältnismässigkeitsprinzip möglich.
Insgesamt ergeben die vielen kleinen Beiträge aber doch eine Summe, mit der sich zielgerichtete Massnahmen realisieren lassen.

Wie wird der Beitrag erhoben? Ist dieser Fonds nicht einfach eine neue Bürokratie?
Wer sagt, was mit den Fondsgeldern geschieht?
Die Erhebung erfolgt auf bestehendem Weg via Familienausgleichskassen. System Selbstdeklaration mit Stichprobenkontrollen. Alle Lehrbetriebe sind dem Kanton übrigens bekannt: Alle Lehrverträge werden vom Berufsbildungsamt genehmigt; es existiert ein ausgezeichnetes elektronisches Lehrbetriebsverzeichnis, das sogar diese Stichproben auf einen Mini-Aufwand reduziert.
Über die Fondsgelder bestimmt nicht die Verwaltung, sondern die Wirtschaft selbst: Sie stellt sieben der neun Sitze in der Berufsbildungskommission und sagt damit, wo es lang geht.
Die Gegner des Fonds beschwören heute wider besseres Wissen eine neue Bürokratie herauf!

Gibt es nicht bessere Alternativen, z.B. Steuererleichterungen für Lehrbetriebe oder die Bevorzu-gung bei der Vergabe öffentlicher Aufträge (das Tages-Anzeiger-«Argument»)?
Zwei Drittel aller Betriebe im Kanton Zürich bezahlen keine Gewinnsteuern. Gerade KMU, die Lehrstellen anbieten, hätten selten bis nie etwas von Steuererleichterungen.
In der Submissionsverordnung sind Lehrstellen als Vergabekriterium bereits berücksichtigt - dort, wo man das darf (was nur in einer Art des Verfahrens der Fall ist und gerade bei grossen Aufträgen eben nicht; Dank an die Bürgerlichen, die mit wehenden Fahnen Globalisierung und WTO hinterherrennen). Auch darf dieses Kriterium gemäss Verwaltungsgericht nur minim (Grössenordnung 5 oder 10 Prozent) gewichtet werden.

Zum Schluss
Der Zürcher Lehrstellenfonds ist zielgerichtet, innovationsfreundlich und eröffnet der Berufsbildung Wege in die Zukunft. Wem das Wohl der Jugend und der Lehrbetriebe am Herzen liegt, der stimmt darum nicht nur dem Berufsbildungsgesetz insgesamt zu, sondern sagt in der Stichfrage auch Ja zur Variante mit Berufsbildungsfonds.


Literaturhinweise

Auf der Homepage des Bundesamtes für Berufsbildung und Technologie (BBT) können ausführliche Informationen abgerufen werden : www.bbt.admin.ch > Startseite > Themen > Berufsbildung > Berufsbildungsfonds